Monatsarchive: Dezember 2008

„Das ist unerlaubtes Pixel-Doping“

Wie finde ich die für mich beste Digital- oder Videokamera? Der Singener Fotograf Rainer Wöhrstein und der Reichenauer Camcorder-Tester Joachim Sauer, Mitherausgeber der Fachzeitschrift „Video aktiv“, sagen’s im Click!-Interview.

Sagen Sie mal, Herr Wöhrstein, haben Sie im Lager noch genügend ältere Kameras? Die Stiftung Warentest titelte schließlich gerade: „Abwärtstrend.“

Wir setzen tatsächlich nicht nur auf die allerneusten Modelle, nur weil da unnötige Megapixel mehr drin sind. Denn die Stiftung Warentest hat schon Recht. Ich spreche vom unerlaubten „Pixel-Doping“! Schaut man sich so einen winzigen Sensor einer Kompaktkamera an, ist es ein Wahnsinn, wie da mit Gewalt gigantische Megapixel hineingepresst werden. Einen Abwärtstrend kann ich bei Digitalkameras aber nicht feststellen.

Tut’s nicht auch die Fotofunktion des Handys?

Für das ganz einfache „Knipsen“ geht ein Fotohandy schon. Aber Ihre Anfangsfrage gilt auch hier: In einem Handy sind auch „Gigapixel“ auf winzigster Fläche. Ein winziges Objektiv, wir Fachleute sprechen vom „wirksamen Durchmesser“, kann niemals die Leistung einer komfortablen Kamera erbringen.

Die Stiftung Warentest schreibt auch von starkem Bildrauschen. Was ist das, wie kommt das zustande?

Bildlich dargestellt: In den gleichgroßen Fingerhut werden immer mehr Pixel gepusht. Solch ein Bild sieht dann besonders in dunklen Partien „grießelig“ aus, es ist verrauscht. Bei gleicher Bildauflösung hat ein kleiner Sensor meist ein höheres Rauschen als ein großer Sensor. Wird dann noch eine hohe ISO-Einstellung verwendet, verstärkt sich dieser Faktor, genauso bei längeren Belichtungszeiten. Fachlich spricht man von Bildstörungen mit Helligkeits- und Farbunterschieden. Nimmt man bei ISO 100 kaum ein Rauschen wahr, so kann schon bei 400 ISO ein ganzer „Hagelsturm“ an Pixeln rauschen.

Was raten Sie beim Digitalkamera-Kauf?

Ihr „Fotografiertyp“ ist wichtig: Hobby, Urlaub, Sport oder sehr engagiert. Beratung und Testen beim Kauf gehört dazu. Für eine gute Kamera der Allroundklasse muss ein optischer Zoom sein. Ein optischer Bildstabilisator ist empfehlenswert. Die Kamera muss flott auslösen! Ein helles Display! Gut: ein optischer Sucher. Die Bildqualität kontrollieren Sie, indem Sie ein Probebild machen – am besten mit einem dunklen Bereich, so testen Sie das „Rauschverhalten“.

Überflüssig könnte sein: Digitalzoom, zu viel Motiv- und Menüprogramme. Videofunktion. Und: Pixelmillionen sind nicht entscheidend

Wie teuer kommt das Weihnachtsgeschenk Digital-Kamera?

Eine gute Einsteigerkamera mit optischem Zoom bekommen Sie für unter 100 Euro, die typische Allroundkamera für 149 bis 199 Euro. Mit höheren Ansprüchen bekommen sie ein Topmodell unter 300 Euro. Und eine Einsteiger-Spiegelreflexkamera gibt es inzwischen auch schon unter 500 Euro.

Und die Camcorder?
Das sagt der Reichenauer Tester Joachim Sauer:

„Video aktiv“ urteilt: „Nie waren Camcorder besser.“ Inwiefern?

Besser sind die Camcorder in Bildqualität und bei der Ausstattung geworden. Dieses Jahr sind einige Modelle auf den Markt gekommen, die auch gehobenen Ansprüchen von Filmern gerecht werden.

Und die Defizite?

Die Camcorder werden immer kleiner und leichter, das ist beim Filmen aber gar nicht so gut. Zudem verzichten Hersteller bei den Billigmodellen teilweise auf entscheidende Funktionen wie Mikrofonbuchse, manuelle Tonaussteuerung, ein ausklappbares Display oder den Sucher. Da sehen Sie bei starkem Sonnenlicht nichts mehr.

Mit welchem Camcorder bleibt mir das erspart?

Die Frage ist immer: Was mache ich damit? Wer wirklich Filme machen will sollte auch einen HD-Camcorder aus der Topklasse für hochaufgelöste Drehs nehmen, die bei 1000 Euro beginnt. Unser Kauftipp: die Canon-Kamera „HF 10“. Wer schon einen HD-Fernseher hat, aber nicht so oft zum Filmen kommt, wird in der Einsteigerklasse ab 700 Euro fündig. SD-Camcorder sind für Filmer interessant, die nicht so bald in einen HD-Fernseher und einen hochwertigen Rechner investieren wollen. Gibt’s mit DV-Band, aber auch schon mit Speicherkarte ab 350 Euro. Die echten Billigangebote ab 200 Euro können wir aufgrund der Bildqualität und schlechten Funktionalität eigentlich nicht empfehlen. Einzige Ausnahme: der „Panasonic NV-GS 90 EG“ für zirka 260 Euro.

Worauf muss ich beim Kauf achten?

Auf die Ausstattung, denn bei vielen Angeboten fehlen elementare Bestandteile: So werden Kartencamcorder meist ohne Speicherkarte ausgeliefert. Das muss man mit einkalkulieren. Da kann es dann durchaus sein, dass ein Modell mit Festplatte günstiger ist.

Gute Kamera, netter Film – und dann verschnibbelt alles die Schnitt-Software . . .

Einen Film in SD-Qualität kann man inzwischen an fast jedem Rechner schneiden, doch HD-Filme, vor allem im neuen AVCHD-Format, fordern vom Rechner Hochleistung.

Kann ich das Schnitt-Programm blind kaufen?

Hier heißt es genau hinschauen, denn die Einsteigerversionen unter 70 Euro können in der Regel keine HD-Videos schneiden. Wir von Videoaktiv empfehlen „Magix Video Deluxe Plus“ (100 Euro), „Sony MovieStudio Platinum“ (70 Euro) und „Final Cut Express“ für den Mac (200 Euro). Aber Achtung! Nicht alle Programme können alles gleich gut. Ein Beispiel: Das „Corel VideoStudio“ arbeitet im sogenannten Proxy-Schnitt, erstellt von HD-Videos kleine Vorschaudaten mit denen auch ein leistungsschwächerer Rechner umgehen kann und berechnet dann erst am Ende den hochauflösenden Film. Das ist zwar innovativ, doch die Software ist recht starr in der Bedienung. „Adobe Premiere“ ist nur für DV- und HDV-Filmer zu empfehlen, denn bei AVCHD läuft sie sehr instabil.

Was ist beim Kauf wichtig?

Die genannten Mindestanforderungen an den Rechner sind in der Regel deutlich zu tief angesetzt und allenfalls für die SD-Videobearbeitung zu gebrauchen. Man sollte sich also mindestens an der meist gesondert aufgeführten Herstellerempfehlung orientieren. Aber hier gilt eindeutig: Der Rechner kann, zumindest für die HD-Videobearbeitung, gar nicht schnell genug sein.

Südkurier Artikel vom 17.12.2008

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